Chatroulette: Ein Nichterfahrungsbericht

Chatten ist nicht unbekannt. Roulette auch nicht. Nun gibt es beides in Kombination: Das Chatroulette. Menschen sitzen an ihren, am besten mit Webcam ausgestatteten, PC, drücken auf den Startknopf und los geht’s. Zufällig erscheint ein potentieller Chatpartner am Bildschirm. Mit dem kann man dann reden. Oder auch nicht. Denn sollte derjenige nicht attraktiv genug, zu alt, zu jung, zu pervers oder einfach zu langweilig sein, heißt es nicht „nichts geht mehr,“ sondern der Chatglücksspieler drückt „Next“. Die Kugel rollt wieder.

Als ich davon gehört habe, dachte ich zunächst, dass ich das ausprobieren sollte. Aber bisher habe ich mich nicht getraut, sondern ständig nur Videos und Berichte von Menschen konsumiert, die das digitale Speed-dating ausprobiert haben.

Und das mag wohl ein Grund dafür sein, dass ich mich nicht an den Roulettetisch gesetzt habe. Die meisten Menschen berichten von einem schnellen Wechsel, kaum Zeit, sich den Gegenüber anzusehen. Wer nicht attraktiv genug ist, bekommt ein „Next“.  Das Gefühl stelle ich mir schon seltsam vor, wenn man vor der Webcam sitzt, bei der man selten besonders vorteilhaft aussieht und von Menschen weitergeklickt wird, die schon auf Grund des Aussehens keine Lust haben, mit jemandem zu reden.

Man kann die Kamera zwar ausschalten, aber dann ist die Wahrscheinlichkeit eines netten Gesprächs noch geringer, wie so manches Chat-Protokoll zeigt.

Des Weiteren befinden sich wohl genügend Perverse unter den Chattern, die versuchen Geschlechtsteile möglicht groß zu präsentieren, was bei einem Mindestalter von 16 Jahren durchaus problematisch erscheint. Das muss nun wirklich nicht sein.

Und der hauptsächliche Grund, warum ich es nicht ausprobieren möchte, ist die Tatsache, dass ich mir unter Chat was anderes vorstelle. Ein Chat ist doch meist anonym. Niemand muss wissen, wie ich gerade aussehe und auch ich muss das nicht wissen. Man kann schnell verschwinden, ohne den anderen oberflächlich nach dem Aussehen beurteilt zu haben, sondern wenn dann nur nach dem, was er von sich gibt.

Es wird also wohl noch einige Zeit dauern (oder vielleicht auch nie soweit sein) bis ich mich ans Chatroulette wage.

Ach und: Auch im Chatroulette kann sich niemand für Guido Westerwelles Parolen begeistern.

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